Schloss Altkettenhof

Schloss Altkettenhof © Stadtgemeinde Schwechat

Das Schloss Altkettenhof wurde als Familiensitz von Anton Dreher II. Anfang des 20. Jahrhunderts neu errichtet. Der Standort dieses, noch heute imposanten Gebäudes, kann jedoch auf eine lange Geschichte zurück blicken. 

Bereits in einer Urkunde aus dem Jahr 1270 wurde ein Landgut am Areal des heutigen Schlosses erwähnt. Besitzer dieses Landgutes waren lange Zeit hindurch die Herren von Ebersdorf. Nach der ersten Türkenbelagerung 1529 war der bereits am Grund des heutigen Schlosses bestehende Landsitz zerstört worden. Die Ebersdorfer Grundherren ließen danach ein Schloss errichten.

Im 16. Jahrhundert wurde die Ortschaft Kettenhof gegründet. Der Name geht auf Jansen den Chetner zurück, der im 14. Jahrhundert in der Nachbarschaft des Schlosses den „Chetnerhof“ besaß. Die Bezeichnung „Altkettenhof“ ergab sich dann im 18. Jahrhundert aus der Gründung der neuen Ortschaft Neukettenhof.

Ab 1621 waren die Grafen Hoyos Besitzer des Schlosses. Diese überließen den Landsitz jedoch als Lehen anderen Adeligen.

Während der zweiten Türkenbelagerung zerstört, wurde das Schloss von Graf Otto Christoph von Volkra in barockem Stile wieder aufgebaut.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde Graf Heinrich Kajetan von Blümegen, seines Zeichens Staatsminister, neuer Schlossherr. Blümegen, der auch Güter in Mähren besaß, ließ im Jahr 1766 die „Kettenhofer Zitz- und Kattunfabrik“ errichten. (Vgl. Kap. IX.1)

Im Jahr 1827 ging das Schloss, nachdem es der Sohn des Grafen an weitere Besitzer verkauft hatte, bereits einmal an einen Brauherren – an den Eigentümer des Dominikal-Brauhauses Karl Mayer.

1852 war es schließlich Graf Bernhard von Rechberg und Rothenlöwen, der das Schloss erwarb.
Schon der Vater des 1806 in Regensburg geborenen Rothenlöwen hatte eine politische Laufbahn eingeschlagen. Alfons von Rechberg war zur Zeit des Wiener Kongresses bayrischer Minister für auswärtige Angelegenheiten gewesen. Graf Bernhard von Rechberg und Rothenlöwen trat zunächst in den österreichischen, diplomatischen Dienst ein und wurde Gesandter in Berlin und London. In weiterer Folge übernahm er die Funktion eines Geschäftsträgers am großherzoglich hessischen Hof zu Darmstadt. In den nächsten Jahren führten ihn seine Dienste bis nach Rio de Janeiro. In der Amtszeit des Ministers Felix Schwarzenberg nahm er seine diplomatische Tätigkeit wieder auf.
Zur Zeit der Frankfurter Nationalversammlung (1848-1849) fungierte Rothenlöwen als österreichischer Bevollmächtigter. Zu seinen weiteren beruflichen Stationen zählten Konstaninopel, die Lombardei und Venetien. Von 1859 bis 1861 bekleidete er das Amt eines Ministerpräsidenten, von 1859 bis 1864 war er auch österreichischer Außenminister. In dieser Funktion empfing er im August 1864 auch den preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck auf Schloss Altkettenhof.

Nach Rothenlöwen wechselte das Schloss eben in den Besitz Anton Drehers II., der es vollständig neu errichten ließ. Drehers Witwe Käthe lebte auf Altkettenhof bis zu ihrem Tod im Jahr 1937. Danach stand das Schloss zunächst leer. Eugen Dreher übergab das historische Gebäude schließlich der Stadtgemeinde Schwechat als Geschenk. Dies war kurz vor dem so genannten „Anschluss“ Österreichs an Hitler-Deutschland. Während der NS-Zeit wurde im Schloss eine „Gauführerschule“ eingerichtet. Anfang 1942 wurde dieselbe in ein Lazarett umgewandelt.

Obwohl das Gebiet rund um das Schloss immer wieder von Bombardements betroffen war, wurde abgesehen von einem Wirtschaftstrakt das eigentliche Gebäude nicht zerstört. Nach Ende des Krieges richtete die sowjetische Rote Armee ein Stabsquartier und eine Kaserne im Schloss Altkettenhof ein. Im Zuge der Staatsvertragsverhandlungen ging der Besitz an die Gemeinde zurück. Diese beschloss, das Gebäude an den Bund abzutreten, welcher es 1956 an das Justizministerium zur Unterbringung des Bezirksgerichts Schwechat und der Bundesjustizschule übergab.

Im Jahr 1957, als Folge der Niederschlagung des Volksaufstandes in Ungarn im Vorjahr, diente Altkettenhof der Unterbringung von 1.000 ungarischen Flüchtlingen.

Im Jahr 1960 zogen schließlich das Verkehrsamt und das Bezirksgericht in das Schloss ein. Nach der Übersiedlung des Verkehrsamtes im Jahr 1963 in das Gebäudes des Bundespolizeikommissariats in der Wiener Straße 13, standen die freigewordenen Räume nun der Unterbringung der Justizschule zur Verfügung. Diese wurde im Frühjahr 1964 feierlich eröffnet.  


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