„Spuren der Zeit – Neolithikum. Ala Nova.
Völkerwanderung. Schwechat.“
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Als Anfang des Jahres 2010 auf dem Areal Wiener Straße / Alanovaplatz die Arbeit zu einer ersten, großen Ausgrabung in moderner Zeit aufgenommen wurde, war man sich im Allgemeinen bewusst, dass es sich um den Boden des ehemaligen Römerkastells handelte. Dass die Ausgrabungen für derartige Sensationen sorgen würden, das hatte man sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht erwartet.
Zwei, zeitgleich parallele Grabungen
Zeitgleich rückte Schwechat 2010 an einem weiteren Standort in das Interesse der Archäologie: am Schwechater Frauenfeld, im Bereich Klederinger Straße, Gladbeckstraße und Enfieldstraße, fand eine weitere, ebenso erfolgreiche Grabung statt.
Ergänzung und wesentliche Erweiterung der Kenntnisse
Die Ausgrabung am Alanovaplatz führte zum Überdenken bisheriger Annahmen über die Geschichte der Römerzeit in Schwechat. Der Schwechater Bürgermeister Johann Ableidinger hatte durch sein Engagement und seine Leidenschaft für die Geschichtsforschung Anfang des 20. Jahrhunderts erreicht, dass archäologische Grabungsarbeiten in Schwechat stattfanden. Ableidinger und den Wissenschaftern der damaligen Zeit verdanken wir die ersten, grundlegenden Kenntnisse über das Römerlager. Die aktuellen Forschungen erweitern, korrigieren und ergänzen diese Kenntnisse nun auf höchst wertvolle Weise.
Die Größe des Lagers
Ableidinger, der sehr akribisch alle Details zur Geschichte Schwechats festhielt, lag in seinen Annahmen, die Größe des Lagers betreffend, nicht ganz falsch. Jedoch wurde eine seiner Skizzen an der falschen Stelle eingehängt, was zur Folge hatte, dass die Größe des Lagers nicht richtig angenommen wurde. Nun konnte die aktuelle Ausgrabung am Rande der Wiener Straße den verfüllten Lagergraben erkennen. Der Verlauf dieses Grabens war, eben durch dieses Missgeschick, bis dahin 30 Meter weiter südlich angenommen worden. Daraus ergibt sich, dass die rekonstruierte Lagerfläche größer ist.
Kein Nachweis für eine ausgedehnte Holzbauphase
Entlang des Donaulimes nimmt man generell für die Zeit vor der Errichtung eines Steinkastells eine Holz-Erde-Konstruktion an. Bei der aktuellen Grabung konnte jedoch keine ausgedehnte Holzbauphase nachgewiesen werden.
Besiedlung „vor und nach den Römern“
Ein interessantes Ergebnis stellen auch die Nachweise von einer Besiedlung des heute Schwechater Grunds „vor und nach den Römern“ dar. Neben Funden aus dem Neolithikum war es vor allem die Erkenntnis über eine Siedlungskontinuität nach dem Ende der römischen Herrschaft, die einer Sensation gleicht. Durch Befunde des 6./7. Jhdts. n.Chr. konnte die frühmittelalterliche Nachbesiedlung des Areals bewiesen werden.
Frauenfeld
Bei den schon erwähnten Ausgrabungen am Schwechater Frauenfeld stieß man auf ein Gräberfeld aus zwei Zeitperioden, wobei der Großteil dieser Gräber aus der Römerzeit stammt. Diese Gräber stammen aus einer Zeitperiode zwischen dem 1. Jhdt. n.Chr. und dem 3. Jhdt. n.Chr. Von besonderer Sensation waren hier die reichen Grabbeigaben, die – obwohl es sich hierbei stets um stark umkämpftes Gebiet handelte – Plünderungen nicht zum Opfer gefallen waren.
Das zweite Gräberfeld stammt aus dem 5. Jhdt. n.Chr. Es sind dies Gräber der Langobarden, eines germanischen Volkes, das nur relativ kurze Zeit auf dem Gebiet des heutigen Niederösterreich siedelte. Aus diesem Grund sind die Funde und Erkenntnisse umso wertvoller.
Frühling 2011
Aufgrund des großen Interesses in der Bevölkerung und des hohen wissenschaftlichen Wertes, wird sich im Frühling 2011, im Zuge des Rahmenprogramms zur Niederösterreichischen Landesausstellung 2011, eine Schwechater Ausstellung mit den Ergebnissen der Ausgrabungen beschäftigen.